Adieu oder Au Revoir?

Equipe TAP ville
Equipe TAP ville

26. Oktober – mein letzter Tag im bureau ville in Tunis ist schon vorbei. Ich habe meine Lieblingsequipe mit einem kleinen Apéro (nonalcoholic ;-)) verabschiedet und noch ein paar Schlussfotos auf dem Balkon des kleinen Büros geschossen. (Auch der Balkon ist klein). Mit dieser Crew bin ich fast jeden Tag raus in die Stadt, PKs vom Bildungsministerium, von der Polizeigewerkschaft, von einer Familie, die ihren Sohn im Gefängnis hat, von einer NGO, welche die Wahlen beobachtet, von France 24, die eine neue Programmeinheit ankündigen, etc.. Der Höhepunkt waren die Demos vom 23. Oktober auf der Avenue Bourguiba und vor der Kasbah, dem Regierungssitz.

Es war gleichzeitig der Höhepunkt der Deprimiertheit bei den meisten Tunesiern, denn Terroranschläge hatten das Land geschüttelt und mehrere Sicherheitskräfte waren dabei umgekommen. Inzwischen hat sich die Lage leicht beruhigt, die Polizeipräsenz ist massiv angestiegen und überall in Tunis sind jetzt Polizisten stationiert. Jede Strassenkreuzung, jede Autobahnausfahrt, überall Polizei. Am 24. Oktober hat sich die politische Lage leicht entspannt; der tunesische Premierminister Ali Larayedh hat sich endlich klar zu seinem Rücktritt von der Regierung bekannt und darauf hin konnte der nationale Dialog mit 20 Tagen Verspätung tatsächlich starten. Drei Kommissionen sind jetzt daran, den Übergang für die nächsten Wahlen und für eine provisorische Expertenregierung bis dahin aufzusetzen. Tunesien hat es doch noch geschafft. Die nächste Woche wird noch einmal sehr intensiv, schon am Dienstag soll der Kopf der Expertenregierung bekannt werden. Der Fahrplan des nationalen Dialogs ist ambitioniert, innerhalb von einem Monat soll die Verfassung abgeschlossen werden. Alle in meinem Umfeld hoffen hier, dass dieser Monat ohne weitere Terroranschläge vorbei gehen wird.

Ich kehre nochmals in den Hauptsitz der TAP zurück und bin dort noch die letzten Tage um die Stage abzuschliessen. Der Abschied naht also und trotzdem fühle ich mich, wie wenn ich noch mitten drin stecken würde. Die Zeit ist wie im Flug vergangen. Ich kann es kaum glauben, dass schon 8 Wochen vorbei sind. Wahrscheinlich weil hier politisch so viel los ist. Das Leben hat hier eine ganz andere Dringlichkeit und Intensität als in Bern. Ich kann mir noch kaum vorstellen, was ich zu Hause als nächstes machen werde. Vermutlich mal einfach ausatmen …

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