¡Adiós, y que te vaya bien!

mag_amü2Auf Wiedersehen, Managua, und es möge dir gut gehen! Wirre Stadt der Strassen ohne Namen, du bist eine ungeplante Ansammlung von Häusern auf einem Fleck, der ebenso gut auch leer stehen könnte. Du bist laut, unerträglich heiss, stinkst und machst mir Angst, sobald der Tag von der Nacht eingenommen wird. Schnell und früh, sodass mich die Dunkelheit plötzlich umhüllt. Ich werde winzig klein und noch fremder und weisser als am Tag.

Panik, wenn die unbekannten Gestalten auf einmal hinter mir und vor mir im lichtlosen Quartier auftauchen. Ich zucke zusammen und denke an das Böse. Wirre Gedanken schiessen in meinen Kopf, die schlimmsten Vorstellungen bleiben hängen. Schweiss. Ich rede mir ein: «Du übertreibst, alles halb so schlimm, ist doch bis jetzt alles gut gegangen.» Ich reisse mich zusammen. Dennoch: Managua, ich hasse dich, wenn ich zuhause hinter dem Gitter stehen bleibe und darüber rätsle, was ich kann und was nicht. Wann, und wann nicht, in welche Richtung, und in welche nicht? Vielleicht verpasse ich viel, wenn ich es nicht wage. Ich werde es nie herausfinden.

In der Hitzehölle des Wegwerfwahns

Dein See tut mir leid, deine von Abfallbergen überfüllten Bachrinnen und deine nach faulen Eiern stinkende Lagune. Sie hat diesen Namen nicht einmal verdient! «Passt doch auf, handelt endlich!» möchte ich am liebsten auf der Strasse laut rausschreien. Deine Plastikverschmutzung erstickt dich, Managua. Jene, die das wertvolle Gut auf der Müllhalde zusammensammeln, sterben früher oder später in der Hitzehölle deines Wegwerfwahns.

Und trotzdem habe ich dich gern. Vielleicht gerade deshalb, weil du den Schmutztümpel lieblich Lagune nennst. Ich habe dich gern, weil ich mich über deine hässlichen, gelben Stahlbäume aufregen kann, die als grösste Fehlinvestition zum Symbol deines Selbst werden sollten. Und gleichzeitig weiss ich, dass du ohne sie nicht dieselbe wärst. Du versetzt mich mit deinen Absurditäten in einen Rausch. Ich muss laut lachen, wenn ich die halluzinogene Weihnachtsbeleuchtung betrachte und durch die Avenida Simón Bolívar fahre, die mit ihren von China-Kram geschmückten Altaren aussieht wie das Disneyland. Wohl noch gesponsert von einer Freikirche. Managua, du bist so übertrieben, dass du schon wieder schön bist! Dein Kitsch kann mich manchmal glücklich machen.

Du machst, was du kannst

Ich sehe überall in dir deine bewegte Geschichte. Nicht nur, wenn ich vor der alten Kathedrale stehe, deren Kreuz beim nächsten Windstoss endgültig herunterzubrechen droht und deren Wände durchsichtig sind vor lauter Rissen. Du wurdest vor Jahren grundlos zugrunde gerichtet, aber du bist wieder da, auf deine Weise. Du bist die Revolution und lebst die Unterdrückung, schreist und lässt dich gleichzeitig unterjochen. Ich glaube, du machst, was du kannst. Ich liebe dich, weil du so unvorhersehbar bist, weil du versuchst, diese unüberschaubare Menge von Menschen zu beheimaten, die nichts anderes suchen können, als ein Zuhause. Sie kommen mit ihrer Hoffnung, sonst nichts.

Surreale Begegnungen machen dich einzigartig. Der alte Nachbar, der mit dem Präsidenten im Gefängnis sass. Der heimat- und obdachlose Deutsche, der im Park nebenan wohnt und zum Betteln Sonntags an das Gitter meines Hauses kommt und hoffnungsvoll den Namen meiner Freundin ruft. Managua, du bist so viele Geschichten. Auf Wiedersehen, es möge dir gut gehen!

mag_amü

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