Der Weg ist das Ziel

Wie es ist, wenn man ein starkes Nachbeben nicht spürt, es einen aber trotzdem ganz schön durchschüttelt.

Im Auto, unterwegs nach Sindhupalchowk, da sitze ich.

Die Strasse ist in keinem guten Zustand, es ruckelt unaufhörlich. Unzählige Kurven haben wir bereits hinter uns. Mindestens ebenso viele sind noch vor uns. Ich sitze hinten links, mir geht’s gut, der Mitfahrerin rechts neben mir weniger.

Ein vom Erdbeben zerstörtes Haus im Distrikt Sindhupalchowk.
Ein vom Erdbeben zerstörtes Haus im Distrikt Sindhupalchowk.

Je weiter wir uns von Kathmandu entfernen, desto schonungsloser werden die Erdbebenschäden vom vergangenen Frühling sichtbar. Halb oder ganz zerstörte Häuser, kaputte Strassen, abgerutschte Hänge.

Das letzte Teilstück unserer Strecke zur Vishnu Adhyalmik Sanskrit School in Barabise fordert unserem Jeep so ziemlich alles ab. Da kann jede Achterbahn einpacken! Meine Rücksitznachbarin kann das Ziel kaum erwarten.

Da erreicht unseren nepalesischen Begleiter ein besorgter Anruf. Ob es uns gut gehe? Und ob wir das Erdbeben auch so stark gespürt hätten? Der Anruf kommt aus Kathmandu, wo man vor wenigen Minuten kurze, aber starke Stösse verspürt hatte.

Unser Jeep in einer Erdrutschgegend.
Unser Jeep in einer Erdrutschgegend.

Ich nehme mein Handy hervor und sehe auf der Website der Kathmandu Post, dass das Beben eine Magnitude von 5,3 hatte. Es war somit eines der schwersten Nachbeben seit dem Frühling.

Das Epizentrum lag in… Sindhupalchowk! Genau da, wo wir uns jetzt befinden. Und wir haben das Erbeben nicht wahrgenommen. Vermutlich deshalb, weil es uns im Jeep ohnehin extrem durchgeschüttelt hat.

Mich beschleicht zuerst ein mulmiges Gefühl, das dann später aber einer gewissen Erleichterung weicht, da es diesmal kaum Schäden oder Opfer gibt.

Später, bei unserem Schulbesuch, erfahren wir dann aber, dass dort im Dorf eine etwa 50-jährige Frau gestorben ist. Sie hatte während des neuesten Nachbebens einen Herzinfarkt erlitten. Jede Hilfe kam zu spät. Wir setzen unsere Fahrt fort.

Es ruckelt weiter.

 

Hier finden sich meine Eindrücke vom Schulbesuch in Bahrabise.

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