Georgia Today verpasst eine riesige Chance

Georgier sind handysüchtig. Egal wo sie sind, ihr Handy ist stets griffbereit und auch nie auf lautlos gestellt. Im Kino, an Medienkonferenzen oder beim Essen: Keiner geniert sich, wenn das Handy klingelt.

Kein Wunder also, wird das Handy auch benutzt, um sich über das aktuelle Weltgeschehen zu informieren. Eine Studie aus dem Jahr 2016 zeigt, dass für 73% der 14 bis 29 jährigen der Fernseher die wichtigste Informationsquelle ist, 49% informieren sich im Internet und nur 1% liest Zeitung. 

Trotzdem ist „online first“ bei Georgia Today noch in weiter ferne. Die Zielgruppe der englischsprachigen Zeitung sind zwar Expats, aber auch die werden sich vor allem online informieren. Die meisten Artikel der Georgia Today werden erst dann publiziert, wenn sie auch in der Zeitung erscheinen. Und da die Print-Ausgabe nur zweimal in der Woche erscheint, sind Artikel über aktuelle Events manchmal erst Tage später online. Die Webseite wird zwar täglich aktualisiert, nach welchen Prioritäten ist mir allerdings auch nach bald 2 Monaten noch nicht ganz klar.

Georgia Today und Social Media

In einem Land, in dem Firmen vermehrt nur noch auf Social Media setzten und keine eigenen Webseiten mehr haben, könnte man denken, dass auch Medienunternehmen stark auf Social Media setzen. Bei Georgia Today ist das aber nicht der Fall. Sie haben zwar einen Facebookseite, diese wird aber nur sehr unregelmässig genutzt. Interessanterweise postet die Chefredaktorin die meisten Artikel in einer geschlossenen Facebookgruppe für Expats in Georgien, nicht aber auf der offiziellen Facebookseite der Zeitung. 

Ein Twitteraccount existiert auch, der letzte Tweet wurde allerdings im Oktober 2016 verfasst. Auf Instagram ist Georgia Today bis jetzt nicht auffindbar.

Als ich die Chefredaktorin auf das Thema angesprochen habe, war ihre einzige Antwort: „Alle Social Media Kanäle wären für uns wichtig, aber wir haben kein Geld dafür.“ Zur Zeit sucht die Georgia Today nach einem Onlineredakteur, der sich zusätzlich zur Webseite auch noch um Social Media kümmern soll. 

Aus meiner Sicht spart die Georgia Today da am falschen Ort. Über Social Media könnte die Zeitung ihr Publikum vergrössern. Auch in der Schweiz dauerte es seine Zeit, bis die Medien die Chancen von Social Media erkannt haben. In Georgien, oder auf jeden Fall bei der Georgia Today ist dieses Bewusstsein noch nicht vorhanden. Was mich allerdings erstaunt, denn Georgien ist uns in anderen Bereichen der Digitalisierung einige Schritte voraus. Ämter kommunizieren hier beispielsweise per SMS mit den Bürgern.

Georgian Journal, die führende englischsprachige Webseite in Georgien, hat das Potenzial von Social Media erkannt. Oder wenigstens teilweise. Sie verbreiten ihre Geschichten immerhin auf Facebook, Twitter und Instagram. Zwar sind es meistens Links zu den Artikeln, keine Videos und auch sonst keine Inhalte, die speziell für Social Media aufbereitet wurden. Aber das ist bei einem Team von nur 2 Journalistinnen für eine Webseite und 3 Social Media Channels auch nicht zu erwarten. Aber immerhin nutzen sie verschiedene Kanäle. 

Auch wenn es nicht die Medienunternehmen sind, die guten Inhalt auf Social Media liefern, gibt es interessante Instagram-Channels in Georgien. Hier eine Auswahl aus Tourismus, Kultur und Blödsinn:

@georgiatravel

Die schönsten Bilder von Touristen in Georgien findet ihr bei @georgiatravel. Dieser Account postet Bilder von Reisenden, die irgendwo in Georgien unterwegs sind. Wer sein Bild mit #georgiatravelmoment oder @georgiatravel versieht, hat die Chance von diesem Account gefeatured zu werden. Somit findet man auf diesem Account wunderschöne Bilder aus dem ganzen Land.

https://www.instagram.com/p/BQHogYvAFgc/?taken-by=georgiatravel

@wowtbilisi

Der Name ist Programm. Diese Bilder aus Tbilisi bringen mich regelmässig zum Staunen. @wowtbilisi postet hauptsächlich Bilder aus Tiflis. Ab und zu findet man aber Bilder von anderen Ortschaften. Auch dieser Kanal featured regelmässig Bilder von anderen Instagram-Accounts.

#wowtbilisi by Shermazana #wowgeorgia #georgia #tbilisi #тбилиси #грузия

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@mauricewolfphotography

Wer Georgien lieber durch die Linse eines Fotografen kennenlernen möchte, sollte dem Fotografen Maurice Wolf folgen. Wolf ist in den Niederlanden geboren, hat lange Zeit in Berlin gelebt und ist jetzt in Tiflis zu Hause. Seine Fotografien sind fast immer in schwarz-weiss. Am besten gefallen mir die Porträts, welche die Bevölkerung Georgien’s zeigen. 

@diditaste

Für Food-Liebhaber ist dieser Account der Richtige. Zwar sind die Macher, die hinter diesem Kanal stecken, in England zu Hause. Trotzdem versorgen sie ihre Follower regelmässig mit georgischen Spezialitäten. Hier zum Beispiel Khinkalis, eine Art Dumplings, die unglaublich köstlich sind.

https://www.instagram.com/p/BPvbylOBVZD/?taken-by=diditaste

@kids_georgia

Wie der Name schon verrät, findet man auf diesem Account georgische Kinder. Irgendwie seltsam, regelmässig wildfremde Kinder im eigenen Instagram-Feed zu entdecken. Ein gewisser Jöö-Faktor hat dieser Account aber trotzdem.

https://www.instagram.com/p/BPVtyJ5AIwI/?taken-by=kids_georgia

@toiletsofgeorgia

Auch für Toilettenfetischisten gibt es den passenden Account. @toiletsofgeorgia beglücken ihre Follower regelmässig mit hübschen Toiletten. 

@art.georgia

Meisterwerke der georgischen Kunst werden unter @art.georgia vorgestellt. Die Namen der Künstler und der Kunstwerke werden in Englisch und Russisch angegeben. Leider sind das aber die einzigen Angaben, die zu den Bildern mitgeliefert werden.

 

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