Gesucht: SUV für Narendra Modi

Kathmandu Diaries #2:
Nach zwei Wochen gemütlichen Stadtalltags hier in Kathmandu, traf ich am 30. August quasi über Nacht auf eine Stadt im Ausnahmezustand: Das vierte Bimstek ( Bay of Bengal Initiative for Multi-Sectoral Technical and Economic Cooperation)-Treffen fand hier in Kathmandu statt und es wurden hohe Gäste erwartet, nicht zuletzt Narendra Modi, Indiens Prime Minister.
 
Dies erfordert zum einen ein eifriges Herausputzen der Stadt, zumindest, dort wo die Gäste sich aufhalten würden. Schlaglöcher in den Strassen wurden gefüllt, riesige Willkommensplakate zierten plötzlich unschöne Bauzäune und an jeder Kreuzung heissen Transparente und Torbogen mit Schriftzügen die Politiker in Nepal, dem Geburtsort Buddhas, wie häufig betont wurde, willkommen.
 
Zum anderen machten die hohen Gäste hohe Sicherheitsvorkehrungen nötig. Plötzlich standen wortwörtlich alle 100 Meter ein Polizist am Strassenrand, auf jeder Strassenseite. Ein denkbar schlechter Tag, um mit einem Shirt der Band “Bad Cops/Bad Cops” herumzuspazieren, dachte ich und rückte verstohlen meinen Schal über den Schriftzug. Junge Soldaten patroullierten die Hauptverkehrsadern mit strengem Blick und gezücktem Gewehr. Am Freitag war sogar mein gemächliches Altstadtviertel Patan abgeschirmt und überwacht. Strassen wurden für alle ausser Fussgänger gesperrt, auch hier, sogar alle 10 Meter Polizei. Anscheinend haben einige der Gäste das als Unesco-Weltkulturerbe gelistete Viertel besuchen wollen, lernte ich später. Ich genoss die unerwartete Bewegungsfreiheitauf den schmalen Strassen auf meinem Weg zur Arbeit, und fühlte mich gleichzeitig von den vielen bewaffneten Soldaten doch etwas beobachtet.
 
Doch damit war noch nicht genug der Bimstek-Aufregung: Schulen wurden zwei Tage geschlossen, mit der Begründung, dass die Schulbusse und Eltern, welche die Kinder mit dem Fahrzeug zur Schule bringen, die Strassen verstopften. Eine in der Meinung meiner Arbeitskollegin bei der Kathmandu Post unsinnige Massnahme: “Die Busse fahren zweimal pro Tag. Und der Unterreicht fällt in unserem Land mit den vielen religiösen Festivals schon genug aus.”
 
Auch sonst wurde der Verkehr dosiert, was hiess, dass am Donnerstag nur jene Fahrzeuge mit gerader Nummer und am Freitag nur jene mit ungerader Nummer fahren durften. 
Ein weiteres Kuriosum: Da die Regierung nicht eine genügend grosse Flotte von SUVs hat, wurden in der Woche zuvor alle Regierungsangestellten und Businessleute mit grossen Autos aufgefordert, ihr Auto für den Gipfel und den Transport der Gäste zur Verfügung zu stellen. 
 
Ab Mittwoch dann war es soweit: Die hohen Gäste traffen ein und bewegten sich unter hohen Sicherheitsmassnahmen von Flughafen zu Hotel und von Hotel zu verschiedenen Konferenz- und Besuchsorten in der Stadt. Jedes Mal wenn eine der Bimstek-VIPs die Lokalität wechselte, herrschte Grosseinsatz, die Strassen, sonst verstopft, lärmig, chaotisch, wurden komplett gesperrt. Ein schwarzer Helikopter kreiste dann laut und wachsam über dem betoffenen Stadtabschnitt. Ein seltsamer Anblick waren diese komplett leeren Strassen und so ungewöhnlich, dass in meinem Büro jedes Mal eine helle Aufregung herrschte und jeder sich an die grossen Fenster im 8. Stock drängte, um den seltenen Anblick mit eigenen Augen zu sehen. 
 
Nach vier Tagen war der Spuk vorbei. Einige der Gäste flogen noch nach Lumbini, dann reisten sie wieder ab, das Leben auf den überfüllten, dreckigen, mit Schlaglöchern gespickten Strassen nahm seinen gewohnt hektisch und gleichzeitig gemächlichen Gang wieder ein. Was vom Gipfel bleibt? Gemäss meinen Kollegen bei der Kathmandu Post vor allem viele leere Worte. Und die eine oder andere kurzfristig ausgebesserte Strasse.

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