Jambo – über Freundschaften in einem Entwicklungsland

Während ich auf meine Arbeitsbewilligung warte, erzähl ich mal etwas über Land und Leute. Ich bin nun seit einer guten Woche in Daressalam und glaube, mich recht gut eingelebt zu haben. 

Wichtig erstmal: Die ausufernden Begrüssungsformeln auf Swahili sitzen. Ein Gespräch – oder eigentlich jeder Augenkontakt – beginnt mit einem Mambo / Jambo und wird meist mit einem Mambo / Jambo erwidert, was etwa dem Französischen „ca va“ entspricht. Weiter geht’s meist mit einem „Poa“, das ein lockeres „gut“ ausdrückt. Gerne wird auch nach dem Befinden gefragt – „Habari gani“. Erwartet wird ein „poa“ oder ein „nzuri “ (gut), schlechte Stimmung will niemand verbreiten. Als Weisser wird man gerne auch mit einem „karibu“ willkommen geheissen. Zwingend hat darauf ein „ahsante“ (danke) zu folgen. Sonst erntet man einen enttäuschten Blick. Der Austausch entspricht einem festen Ritual und als Ausländer kommt man sich gerade zu Beginn wie ein Prüfling vor. Nach und nach werden einem aber auch die Vorzüge bewusst. Nicht selten ergeben sich daraus schöne Gespräche.

Tansanische Gastfreundschaft auf dem Fischmarkt Kivukoni in Daressalam

Integrationsfördernd wirkt die freundliche und positive Art der Bevölkerung. Angesichts der riesigen Armut und der privilegierten Situation von uns Westlern hatte ich mich auf einen latenten Rassismus gefasst gemacht, doch den kann ich bis heute nicht erkennen. Im äussersten Fall hört man als Weisser dann und wann ein „Mzungu“, das aber selten Böse gemeint ist. Ansonsten staune ich jeden Vormittag, dass ich in meinem Quartier mit Sandstrassen voller Schlaglöcher und einfachen Behausungen mit Sympathie überschüttet werde.

Ich habe denn auch schon einige illustre Freunde gefunden. Irgendwie scheinen hier die meisten gerne mit einem Mzungu herumziehen zu wollen. Nur in den wenigstens Fällen geht es ausschliesslich ums Geld, und doch prägen die Reichtumsunterschiede die sozialen Beziehungen. Wenn ich mit meinem Lieblingstaxifahrer einen Ausflug mache, liegt es auf der Hand, dass ich die Kosten für Essen und Trinken übernehme und das Benzin mit grosszügigem Aufpreis abgelte. Wenn mein Ausgangsbuddy („kaka“) ein Bier in einem Club bestellt, bezahle ich das ganz selbstverständlich. Wenn ich mit meinem Massai-Freund an eine Strandbar gehe, bezahle ich Taxifahrt, seine Drinks sowie die Snacks (inklusive jener des Taxifahrers). Ich glaube, meine Freunde mögen mich durchaus auch als Mensch, und doch dürfte das Finanzielle ein zusätzlicher Anreiz sein.

Die richtige Balance zu finden, finde ich unheimlich schwierig. Manchmal bin ich versucht, mich finanziell zurückhalten, um die Freundschaft zu testen – und merke, dass es lächerlich ist, wegen fünf Franken ein Theater zu machen. Doch das mulmige Gefühl bleibt. Ich erlebe im Umkreis Beziehungen zwischen Schwarzen und Weissen, die sehr stark finanziell geprägt sind. Richtig zu urteilen, finde ich unheimlich schwierig. Angesichts der unterschiedlichen Lebenschancen ist es nicht mehr als fair, dass es zu einer gewissen Umverteilung kommt, doch entwertet das nicht die Freundschaft? Die Frage wird mich bis zum letzten Tag hier begleiten.

Und das nächste Mal erzähle ich gerne etwas über die Arbeit. Inschallah.

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