Route de la Culture

Bildschirm mit TAP-Kultur-Depesche
Bildschirm mit TAP-Kultur-Depesche

Nach zwei Wochen bei der Newsagentur Tunis Afrique Press TAP habe ich neben viel Politik schon eine ganze Ladung Kultur mitbekommen. Kino, Keramik und Kunst aus Brasilien auf Tournee. Mein Tutor hat mich zum Start mal im Kultur-Desk platziert. Danach soll es eine „Tour de Rédaction“ geben. Die Agentur TAP hat mehrere Desks, der wichtigste ist natürlich der politische Desk, dicht gefolgt vom Wirtschafts-Desk. Es gibt auch einen internationalen Desk, einen Gesellschafts-Desk und einen Multimedia-Desk. Zusätzlich hat die TAP verschiedene Antennenbüros, die in ganz Tunesien verteilt sind – eine Art Regionalredaktionen. Tunis Afrique Press beliefert Medien, Ministerien und diplomatische Kreise mit Inland-Nachrichten. Sie ist eine der wichtigsten Informationslieferanten in Tunesien und im Moment eine der glaubwürdigsten, wird mir immer wieder versichert.

Route de Cinéma 2013
Route de Cinéma 2013

Die Tunesier sind stolz auf ihr Kulturleben, dort erholen sie sich gerne vom politischen Parteien-Hickhack, das im Moment die täglichen Diskussionen und Schlagzeilen bestimmt. Es gibt in Tunis und den umliegenden Vorstädten mehrere Kulturzentren mit Konzerten, Ausstellungen und Filmabenden. Jetzt im Spätsommer entdecken die Tunesier gerade das Open Air Kino wieder. Meine Redaktionskollegin Aida nimmt mich mit zu einem Kurzfilm-Abend unter freiem Himmel.

 

Die Macherinnen von "Selma"
Die Macherinnen von „Selma“

Ein 3 auf 5 Meter grosser Bildschirm, 100 weisse Plastikstühle und ein Labtop – fertig ist das „La Route du Cinéma“ – das im Juli und August in fast 20 Städten in Tunesien unterwegs war. Gezeigt werden tunesische und französische Kurzfilme auf Dorf- und Quartierplätzen unter freiem Himmel. In Tunis gab es auch eine Premiere: „Selma“ von Mohamed Ben Attia – ein sozialkritischer Film über eine Witwe, die  gegen den Willen ihrer Schwiegermutter eine Taxiführer-Ausbildung macht. Zur Premiere sind die Produzentin Dora Bouchoucha und die Hauptdarstellerin Nejma Zeghid angereist. Ein sanfter Hauch Hollywood weht über den Platz als die beiden in langen Kleidern vors Mikrophon treten.

 

Les souliers de l'Aid
Les souliers de l’Aid

Das Open Air ist keine von diesen kommerziellen Orange-Cinema Veranstaltungen, wie wir sie in der Schweiz kennen. Der Rahmen ist intim, der Eintritt ist frei. Vor der Leinwand  liegen ein Dutzend Kinder auf einem Teppich. Viele Leute aus dem Quartier sind hierher gekommen. Der Abend ist lau, die Atmosphäre entspannt. Viel Zuspruch vom Publikum erhält der Film „Les souliers de L’Aid“ – ein Film von Anis Lassoued über einen kleinen Jungen, der ohne Unterbruch rennt, zur Schule, nach Hause und wenn er die Teigblätter seiner Mutter im Dorf verkauft. Sein Traum sind ein paar neue Sportschuhe. Die Familie ist bitterarm, kann sich die teuren Schuhe nicht leisten. Der Wunsch des Jungen ist aber so stark, dass er trotzdem in Erfüllung geht. Ein zauberhafter Film, der auch von seinem Laiendarsteller, dem 9-jährigen Neder Tlili lebt.

 

 

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