Staub-Metropole Kathmandu

Nichts für Staubmuffel: Kathmandus Einwohner leben in einer permanenten Staubwolke.

 

„Warum kann die Regierung den Staub nicht einfach aufsaugen und entsorgen“, schreibt ein entrüsteter Einwohner Kathmandus in einem Leserbrief. „Ansonsten bleibt uns wohl nichts Anderes übrig, uns als Staub-Metropole zu vermarkten.“ 

Bei der Tageszeitung Kathmandu Post arbeite ich für die Meinungsseiten. Meistens sind es die grossen Themen, welche dominieren: der schleppende Wiederaufbau nach dem Erdbeben 2015, das politische Ringen um eine Verfassung oder der Einfluss Indiens auf die Innenpolitik. Aber das Problem mit dem Staub scheint vielen Einwohnern Kathmandus ebenfalls unter den Nägeln zu brennen.  

Braune Schuhe und Lungen

Denn Staub ist überall in der Hauptstadt Nepals. Mein Arbeitsweg führt mich entlang einer der am dichtesten befahrenen Strassen in der Stadt. Nach einer halben Stunde zu Fuss sind meine ehemals schwarzen Schuhe braun, und meine Lungen fühlen sich schwer an.

Wenn man die Leute fragt, warum die Stadt so staubig ist, schütteln sie bekümmert den Kopf. Schuld sei die Regierung, welche die Strassen nicht teere. Oder die unzähligen Bau- und Strassenprojekte nach dem Erdbeben. Auch die städtische Wasserversorgung sei schuld: Beinahe über Nacht wurden in Kathmandu die Gehwege aufgerissen, um das Leitungssystem für eine neue Pipeline aufzurüsten. Wochenlang blieben die Strassen offen und der Verkehr verteilte noch mehr Staub als üblich.

Ein weiterer Grund für das Staubübel ist die topographische Lage Kathmandus. Im Winter sinkt die warme Luft im grossflächigen Talbecken. Verschmutzte Luft, welche unter anderem von Nordindien hierher weht, bleibt während Monaten in Kathmandu Valley gefangen.

Tödliche Folgen

Der Staub verschmutzt nicht nur Schuhe und Kleidung. Er tötet Menschen. Laut WHO sterben in Nepal jährlich 36 Menschen pro 100’000 Einwohner wegen der Luftverschmutzung. Das Land landet regelmässig auf den hintersten Rängen bei weltweiten Vergleichen der Luftqualität. Wer sich der schlechten Luft zu viel aussetzt, riskiert laut dem WHO-Bericht Atembeschwerden, Lungenkrebs und Herzkrankheiten. 

Mittlerweile trage ich wie viele Nepalis eine Atemmaske. 35 Franken musste ich für eine Maske hinblättern, welche tatsächlich gegen Kleinstpartikel helfen soll. Die Mehrheit trägt jedoch Wegwerf- oder billige Stoffmasken – oder auch gar keine.  

Wie lässt sich das Staubproblem lösen, rätseln die Zeitungskommentatoren in regelmässigen Abständen. Richtig asphaltierte Strassen und Gehwege würden sicher helfen. Bauprojekte zügiger fertigzustellen wahrscheinlich auch. Doch bis das geschieht, werden sich noch Tonnen von Staub in Kathmandu niederlegen.

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