White Man in the Early Morning Fog

"White Man's Burden": Mein erster selbstverfasster Beitrag für die Op-Ed-Seiten, die ich täglich mitgestalte, editiere und korrigiere.

Egal in welchem Kontext ein Konflikt stattfindet, egal was auf dem Spiel steht, egal welche Ideologien aufeinanderprallen und welche Ängste die Konfliktparteien antreiben: Wer bereit ist, für seine politischen Ambitionen Kinder bewusst zu gefährden, steht im Unrecht. Gemessen an diesem Grundsatz haben die CPN-Maoisten, die sich derzeit mit allen Mitteln gegen die am Dienstag stattfindenden Wahlen wehren, eine rote Linie überschritten. Gestern haben sie zum wiederholten Mal mit Bombenanschlägen und Brandattacken den öffentlichen Verkehr behindert und dabei einen Menschen umgebracht und neun schwer verletzt. Unter den verletzten befanden sich gestern zwei kleine Kinder. Die Anschläge machten heute landesweit Schlagzeilen. Die Maoisten sind dabei, sich ihre letzten Sympathien in der breiten Bevölkerung zu verspielen. Inwiefern die politischen Aussenseiter nach den Wahlen überhaupt in den Prozess zur Erarbeitung einer neuen Landesverfassung mit eingebunden werden können, scheint mir nach den jüngsten Vorkommnissen rätselhaft. Nepal droht eine unruhige, gewaltsame Zukunft, wenn nicht die richtigen Massnahmen ergriffen werden, um Attacken wie die gestrige gegen unbeteiligte Zivilpersonen unter allen Umständen verhindern zu können.

Jimmy Carter und die frivolen Westerners

Die 122 Parteien, die offiziell an den Wahlen teilnehmen, hatten bis gestern um Mitternacht Gelegenheit, die Wähler von ihren jeweiligen Standpunkten zu überzeugen. Dass dabei unlautere und eher ungewohnte Methoden zum Einsatz kamen, ist sehr wahrscheinlich. Von den reiserntenden Maoisten habe ich ja bereits erzählt. Gestern, pünktlich zur Geisterstunde, war der ganze Wahlkampfspuk aber vorbei. Seit dann gilt das “Day of Election Silence”-Gesetz, das den politischen Parteien in Nepal vorschreibt, während den letzten 48 Stunden vor dem Wahltag auf sämtliche politischen Aktivitäten zu verzichten. Nicht einmal das Aufhängen oder öffentliche zur Schau stellen von Parteiflaggen oder Plakaten ist mehr erlaubt. Die Wähler sollen eine Verschnaufpause bekommen und in aller Ruhe überlegen können, wem sie ihre Stimme geben möchten. Ein interessantes, sympathisches Gesetz, das heute akustisch wahrzunehmen war: Statt den seit Wochen konstant durch die Strassen dröhnenden Lautsprecherdurchsagen und Wahlkampflieder herrschte der direkt beruhigend wirkende Grossstadt-Whitenoise mit Motorenlärm, Gehupe und bellenden Hunden. Wer die Wahlen am Dienstag gewinnen wird, das ist übrigens noch immer unklar. Die drei grossen Parteine (Nepali Congress (NC), United Marxist-Leninists (UML) und UCPN (United Communist Party of Nepal)) haben allesamt verkündet, mit einer absoluten Mehrheit ins neue Parlament einzuziehen. Die UCPN ist gar überzeugt davon, eine Zweidrittelmehrheit erreichen zu können, was ihr faktisch die Möglichkeit gäbe, im Alleingang eine neue Verfassung durchzuwinken.

Um für einen friedlichen und fairen Wahltag garantieren zu können hat die nepalesische Übergangsregierung zehntausende Wahlbeobachter ins Land gelassen. Der prominenteste davon ist wohl der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter, der seit ein paar Tagen in Kathmandu weilt und im Auftrag seines Carter Centers die politischen Wogen zu glätten versucht. Fun Fact zu Carter: Ich habe kürzlich das Buch “Nepal Votes for Peace” von Bhojraj Pokharel gelesen. Pokharel bespricht darin die politische Geschichte des Landes und wagt ein paar Ausblicke in die Zeit nach den anstehenden Wahlen. Er kommt dabei auf seinen “good friend” Jimmy Carter zu sprechen (was die von einigen Nepalesen selbst verbreitete These stützt, wonach Nepalesen erst dann ein Selbstwertgefühl entwickeln, wenn sie mindestens einen einflussreichen Amerikaner oder Briten in ihrem Bekanntenkreis wissen). Der politische Analyst Pokharel verliert dabei seine literarische Fassung und schwärmt seitenweise wie ein naiver Groupy vom grossen Carter. Auffällig dabei: Er erwähnt immer und immer wieder, dass Carter seit über 50 Jahren verheiratet sei, und zwar immer noch mit der gleichen Frau. Das ist in den Augen der Nepali etwas Aussergewöhnliches. Man ist hier überzeugt davon, dass die “Westerners” einem frivol-untreuen Lebensstil frönten und dass die Ehe eine Nebensächlichkeit sei, nicht wie hier, wo gelte, was man sich vor Vishnu und seinen tausend Götternebenbuhlern hochheilig verspreche.

Anyway, ich bin gespannt, was die nächsten Tage passiert und freue mich darauf, wenn der ganze hundertfach wiedergekäute Wahlkampf-Kram aus den hiesigen OpEd-Pages verschwinden wird.

Through Early Morning Fog” & “White Man’s Burden

Ich selbst hatte dieses Wochenende zweimal Gelegenheit, meine Geschichten, bzw. Ansichten in der Kathmandu Post zu publizieren. Es ist ziemlich toll, wie viel Platz mir die Kathmandu Post als Praktikanten für meine Texte und Bilder zur Verfügung stellt. So macht “arbeiten” Spass. Hier meine beiden Stories:

"White Man's Burden": Mein erster selbstverfasster Beitrag für die Op-Ed-Seiten, die ich täglich mitgestalte, editiere und korrigiere.
„White Man’s Burden“: Mein erster selbstverfasster Beitrag für die Op-Ed-Seiten, die ich täglich mitgestalte, editiere und korrigiere.
"Through Early Morning Fog": Foto-Essay mit Bildern aus der Nähe des Chitwan Nationalparks.
„Through Early Morning Fog“: Foto-Essay mit Bildern aus der Nähe des Chitwan Nationalparks.

Bilder und weitere News auf www.insidenepal.ch

Ein Kommentar

  1. Sehr geehrter Herr Schuhmacher,
    auf Ihren Artikel in der KTM-Post hab ich ja geantwortet und ist als Leserbrief am 22.dies erschienen aber eben entschaerft. Ich hoffe Sie, haben den ganzen Kommentar gelesen.
    Hier nochmals:

    “Letter to Editor”
    „a white man’s burden“, Kpost , 17thnov., page 6,
    dear sarkiji (Mr Schumacher), being khoire as well and in Nepal since more than 30 years, I was reading your comment with a lot of understanding. My mother some 60 years ago said the same to me. But here in Nepal it is not true, it sometimes comes from nüt. Development aid comes from everywhere, foreigners are allowed for their money though they are lowest caste and making the country chuto. Children in Pokhara are laughing at the goras, crying hallo, zackko dallo. We are accepted but still outlaws. We do not understand and nobody tells us what is really going on here, just hallas, rumours.Because they themself do not know, just rumours. But the mountains are beautiful, even more impressive than ours.

    Hans Zollinger

    Pokhara, Tutunga 9816134799

    ein Khuire ist ein Schimpfwort fuer einen Weissen, hallo zackko dallo waere ungefaehr unser Hallo A-loch.
    Damit moechte ich auf den Rassismus hier hinweisen, die Hochkastigen kontrollieren das Land. Sarki sind die Schumacher und damit absolut tiefste Kaste, sie essen gar Kuhfleisch und verarbeiten Tierhaeute, Immerhin hab ich ji angehaengt, dh Herr.
    Ich wohne in Pokhara, gehe aber naechste Woche ueber KTM in die Schweiz, es wuerde mich freuen, mit einem Journalisten ueber Nepal zu sprechen,
    mit freundlichen Gruessen,
    Hans Zollinger

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