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Stau im Zentrum von Tunis
Stau im Zentrum von Tunis
Stau im Zentrum von Tunis
Stau im Zentrum von Tunis

Neuer Rekord: für meinen Arbeitsweg habe ich am letzten Donnerstag (12.9.) geschlagene 2 Stunden gebraucht. Normalerweise geht das mit Taxi höchstens 15 Minuten, schnelle Fahrer schaffen es auch in 10 Minuten … man muss sich einfach gut festhalten in den Kurven. Ich fahre zur Arbeit jeweils vom Zentrum, wo ich wohne, in ein Aussenquartier von Tunis.

Weil wir bei der Newsagentur TAP in mehreren 6 Stunden-Schichten arbeiten, beginnt mein Arbeitstag nicht immer zur gleichen Zeit. Donnerstag bin ich erst am Mittag vom Place du Gouvernement aus gestartet. Das war ein Fehler.

Fahrgemeinschaften helfen

Da ist erstmal überhaupt sehr lange kein einziges freies Taxi vorbeigefahren. Ich habe mich dann mit einer jungen Tunesierin zu einer Fahrgemeinschaft zusammengeschlossen.

Das war ein Glücksfall. Als wir endlich ein Taxi ergattert hatten, konnten wir in den nächsten 2 Stunden wenigstens ein bisschen schwatzen, über das Leben (sie würde gern auswandern), die Politik (ein abgekartetes Spiel), und die besten Orte um auszugehen (ein Hotel am Strand von La Marsa).

Sogar Schnecken sind schneller

Wir haben uns in der ersten Stunde gefühlte 500 Meter vorwärts bewegt. Jedes Mal wenn ich aussteigen wollte, hat mich der Fahrer beschwichtigt: Beim nächsten Rotlicht wird alles besser. Tatsächlich kam dann nach eine weiteren Dreiviertel Stunde ein Rotlicht. Und danach ging’s in der letzten Viertelstunde flüssig voran.

Die Kollegen im Büro haben mich nur ausgelacht. Am Mittag im Zentrum in ein Taxi steigen, das macht hier einfach keiner. Da steht alles still, besonders wenn es am Morgen noch heftig geregnet hat. Dann verschiebt sich der Morgen-Verkehr auf den Mittag. Viele Strassen sind nach Gewittern jeweils überschwemmt. Der Morgenverkehr bricht zusammen und die Leute warten zu Hause bis es besser wird.

Nicht der Rede wert

Aufregen darüber tut sich hier keiner. Man rechnet das einfach mit ein. 2 Stunden zu spät im Büro – so what? Für ihre Gelassenheit kann man die Tunesier nur gern haben.

In der Schweiz würde bestimmt jemand ausrechnen, wie viele Arbeitsstunden in diesen 2 Stunden flöten gehen, wenn die halbe Stadt so lange still steht. In der tunesischen Presse gibt es höchstens kleinere Meldungen zur Niederschlagsmenge und den schlimmsten Überschwemmungen. Stau = no news.

Von Christina Omlin

Christina Omlin berichtet für die Agentur Tunis Afrique Press im September und Oktober 2013 in Tunis. Sie hat bis Ende 2012 für Schweizer Radio und Fernsehen SRF gearbeitet, war mehrere Jahre in der Programmleitung von SRF 2 Kultur und zuvor in der Abteilung Information als Produzentin und Moderatorin des Newsmagazins info3 und als Online-Journalistin tätig. Ursprünglich ausgebildete Musikerin, ist sie als Musikkritikerin für verschiedene Zeitungen in den Journalismus eingestiegen. Christina Omlin hat ein grosses Interesse an sozialen Medien und wie die many-to-many Kommunikationsformen gesellschaftliche Veränderungen bewirken können. Zuletzt hat sie dazu im Rahmen eines Nachdiploms in “conflict analysis und conflict resolution” an der Universität Basel recherchiert.

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