Voll erwischt

Wie es ist in einem Entwicklungsland zu erkranken, und warum Ingwer nun mein bester Freund ist.

In meinem Bett in Kathmandu, da liege ich.

Nein, es ist nicht bequemer geworden. Aber der Mensch gewöhnt sich bekanntlich an vieles. Und im Moment habe ich keine Alternative als die meiste Zeit im Bett zu liegen. Ich bin krank.

Eine Apotheke in Kathmandu.
Eine Apotheke in Kathmandu.

Sinusitis heisst das eklig-schleimige Ding und blockiert meine Stirn- und Nasennebenhöhlen. Starkes Fieber habe ich zum Glück nicht, nur immer wieder mal etwas erhöhte Temperatur. Aber ich fühle mich schlapp, Kopf und Hals schmerzen stark, ich huste fast pausenlos, kann mich kaum konzentrieren. Ich friere.

In meinem Zimmer ist es aber nicht nur kalt, das allein wäre noch kein wirklich grosses Problem. Viel schlimmer ist, dass es ziemlich feucht ist. Die kühle Feuchte drückt durch die schlecht isolierten Fenster. Draussen ist es nachts und morgens sehr neblig. Beim Aufwachen fühlt es sich häufig an, als würde ich mitten in der Nebelsuppe liegen. Die Sinusitis mag das. Ich nicht.

Eine Heizung gibt es nicht. Die Versorgungskrise trägt ihren Teil dazu bei, dass die Leute in Nepal aktuell noch mehr frieren als sonst. Auf mehrmaliges Nachfragen nach anderen Möglichkeiten hat der Hotelmanager mit einer elektrischen Heizdecke geantwortet. Naja.

Leo, ein schwedischer Mitbewohner, klappert heute verschiedene Läden nach kleinen elektrischen Heizungen ab. Vielleicht wird er fündig und es nützt was. Wir wissen aber jetzt schon, dass das Gerät wegen der vielen Stromausfälle und der schwachen Notstromversorgung sowieso nicht oft in Betrieb sein kann.

Frisch geschnittener Ingwer.
Frisch geschnittener Ingwer.

Wie dem auch sei. Nach einigen Tagen naiver Hoffnung, mit bisschen Inhalieren von kochendem Wasser mit frisch geschnittenem Ingwer werde ich schon gesund, bleibt mir nun der Gang zur Apotheke nicht erspart.

Es gibt Antibiotika, rezeptfrei. Fünf Stück für umgerechnet zwei Franken. Gruss an dieser Stelle an die Pharmaabzocker vom Rheinknie. Die Tabletten sind giftig-knallig orange und bringen meinen Bio-Haushalt mächtig durcheinander. Ich spüle sie mit heissem Ingwer runter. Sowieso ist Ingwer in diesen Tagen zu meinem besten Freund geworden.

Er riecht einfach gut, gibt mir ein wohliges Gefühl, wärmt mich von innen.

Ich schlafe ein.

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